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Ratgeber

Wie das Smartphone unser Leben verändert hat

Wir schenken ihm meist den ersten und den letzten Blick des Tages, wir managen unseren Alltag mit ihm, tauschen Persönliches mit unseren Liebsten aus, regeln Bankgeschäfte und frönen süßem Zeitvertreib. Wenn wir es mal vergessen haben, fühlen wir uns fast unvollständig, wie in einem Albtraum, in dem wir ohne Hose im Büro sitzen, eigentlich können wir gar nicht mehr ohne – unseren steten Begleiter – das Smartphone.

Dieses kleine glänzende Gerät hat sich in den letzten zehn Jahren wie ein hochinfektiöser Virus rasant in unserer Gesellschaft verbreitet. Waren es in Deutschland 2009 noch etwas mehr als 6 Millionen Smartphone-Besitzer, also ca. 7% der Bevölkerung, so sind es mittlerweile bereits über 57 Millionen – also fast 70% der Deutschen (schließt man Menschen unter 14 aus, sind es sogar 81%). Wie dieser Smartphone-Boom unsere Gesellschaft verändert hat, kommt einer Kulturrevolution gleich. Ihr Einfluss ist groß aber wie genau verändern Smartphones unseren Alltag, unser Miteinander und unsere Psyche?

 

 

Immer online. Immer verfügbar.

Nicht erreichbar zu sein, ist heutzutage kein selbstverständlicher Zustand mehr. In der Regel haben wir unser Smartphone immer bei uns und sind auf die eine oder andere Weise rund um die Uhr verfügbar. Mitunter müssen wir das sogar sein. Während der Arbeit brummen dann private Messages dazwischen; im Feierabend lassen sich noch schnell wichtige berufliche Mails und News checken. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Feierabend wird so schnell diffus.

Und auch in Momenten des Stillstands, zum Beispiel an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer, gibt es immer genug zu erleben und zu sehen im World Wide Web. Das bedeutet fehlende Ruhepausen für unser Gehirn, das ständig dabei ist, unterschiedlichste Impulse und Eindrücke gleichzeitig zu verarbeiten. Reizüberflutung, Erschöpfungszustände und negative Auswirkungen auf unseren Schlaf und somit auch unsere Gesundheit können die Folgen sein.

Salonfähige Unhöflichkeiten

Die Anziehungskraft unseres Smartphone ist so groß, dass mitunter auch die sogenannte face-to-face-Kommunikation im echten Leben zu leiden hat, da gewisse Regeln des respektvollen Miteinanders in den Hintergrund rücken. Haben wir früher in einem Meeting oder bei einem Candle-Light-Dinner einfach eine Zeitschrift herausgeholt und fröhlich darin geblättert?! Nun, das Smartphone verleitet uns im Prinzip genau zu so einem Verhalten, vermutlich häufig ohne, dass wir es überhaupt richtig merken. Während der zwischenmenschlichen Interaktion das Smartphone mehr als den Gesprächspartner zu beachten, ist ein leider mittlerweile so verbreitetes Phänomen, dass es bereits einen eigenen Namen bekommen hat: „Phubbing“ (zusammengesetzt aus „phone“ und „snubbing“/jemanden abblitzen lassen). Gerade in Liebesbeziehungen scheint „phubbing“ weit verbreitet. Einer aktuellen Studie der Babylon University in Texas zufolge ziehen rund 70 Prozent aller Teilnehmer das Smartphone gelegentlich dem Partner vor. Nimmt das überhand, kann das Zwischenmenschliche dadurch ernsthaft belastet werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Der exzessive Smartphone-Konsum geht aber auch körperlich nicht spurlos an uns vorbei. Das Dauer-Scrollen rächt sich mit dem sogenannten Handydaumen, der dauergesenkte Kopf mit dem steifen Handynacken. Im Straßenverkehr kann der Blick aufs Smartphone sogar lebensgefährlich werden. Egal ob als Autofahrer oder als Fußgänger – wer sich auf der Straße mit gesenktem Kopf bewegt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Eine Studie der TU Braunschweig deutet das Ausmaß der Handy-Ablenkung an: Von 105.000 beobachteten Autofahrern an einer Autobahnausfahrt (!) waren fast 14.000 beim Fahren abgelenkt, davon 8% durch das Smartphone. Sie nutzten es nicht nur zum Telefonieren, sondern über die Hälfte auch zum Schreiben und Lesen von Nachrichten…

Digitales Glück?!

Wie bei vielen Dingen, die den Menschen vereinnahmen können, befördert ständiger Smartphone-Konsum nicht unbedingt unser Glücksgefühl – das Gegenteil trifft eher zu. Forscher der University of San Diego haben den Zusammenhang zwischen Smartphone-Nutzung und Zufriedenheit bei über einer Million jungen Menschen untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig. Am besten geht es den Jugendlichen, die weniger als 1 Stunde am Tag mit dem Smartphone verbringen und in ihrer sonstigen Freizeit Sport machen oder sich mit Freunden treffen. Diese sind doppelt so zufrieden wie Jugendliche, die mehr als 5 Stunden am Tag am Smartphone hängen. Je weniger wir das Smartphone nutzen, umso besser geht es uns also. ABER: Smartphone-Enthaltsamkeit ist auch keine Lösung. Jugendliche, die ganz auf ein Smartphone verzichten müssen, sind damit auch nachweisbar weniger glücklich als andere Altersgenossen mit mobilem Endgerät.

Die Datenmenge Mensch

Abgesehen von den verschiedenen Auswirkungen auf unser Miteinander, unsere Psyche und unsere Gesundheit gibt es noch weitere Veränderungen durch das Smartphone, die sich leicht vergessen lassen. Die Datenmenge, die uns umgibt, bildet unser Kaufverhalten, unser Bewegungsprofil und unsere Gedankengänge immer weitereichender ab. Wir stehen letztlich unter Dauerbeobachtung und bieten immer mehr Angriffsfläche für Attacken und Beeinflussungen jeglicher Art.

Umweltfaktoren

Der Weg zum Smartphone ist nicht immer fair. Gerade in afrikanischen Produktionsminen werden Rohstoffe oft unter bedenklichsten Bedingungen verarbeitet. Dasselbe lässt sich von den Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken behaupten. Es mangelt an fairen Löhnen und gerechten Arbeitszeiten, während die Technik sich rasant weiterentwickelt. Hinzu kommt tonnenweise Elektroschrott. Ganz nach dem Motto „schneller, besser, größer“ landen ausgediente Geräte in immer kürzeren Abständen auf dem Müll.

Warum wir dem Smartphone trotzdem nicht widerstehen können

Bei all den nicht unproblematischen Nebeneffekten, bietet uns das Smartphone dennoch unschlagbare, nie dagewesene Vorteile, die die ganze Smartphone-Epidemie fortwährend schüren. Es verkürzt nervige Wartezeiten, liefert Musik, Literatur und Unterhaltung auf Knopfdruck, hält uns über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden, navigiert uns auf der schnellsten Route zu unserem Ziel, erinnert uns an Geburtstage und Termine, erleichtert den Alltag, beantwortet dringliche Fragen binnen Sekunden und verbindet uns mit geliebten Menschen in der Ferne. Am allerwichtigsten: Es ermöglicht uns auch, in Notsituationen schnell Hilfe zu bekommen; Ortungsfunktionen können vermisste Personen oder Gegenstände auffinden; und auch vor Unwetter oder Terror können betroffene Menschen durch ihre Smartphones so früh wie möglich gewarnt werden.

 

Fest steht: Für die meisten von uns ist das Smartphone ein ständiger Begleiter und wir wissen auch, warum. Nicht alles was wir wollen, ist jedoch bedingungslos gut für uns. Langfristige Konsequenzen unseres Smartphone-Lebens lassen sich noch nicht absehen, doch schon jetzt liegen gewisse negative Einflüsse auf der Hand. Vergessen wir nicht das Innehalten und Durchatmen und Nichtstun im Hier und Jetzt. Es wird nicht schaden, versprochen;)

 

Sie wollen mehr über das richtige Smartphone-Alter von Kindern erfahren? Mehr dazu im Blog-Beitrag Hilfe, mein Kind will ein Smartphone!

 

Quellenverzeichnis

Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018 (in Millionen). Statista. Abgerufen am 25.08.2018.
Das Smartphone – die Kulturrevolution des 20. Jahrhunderts. Deutsche Welle. Abgerufen am 24.08.2018.
Gefahr durch Generation „Kopf unten“. Deutsche Welle. Abgerufen am 24.08.2018.
Handy am Steuer: So viele riskieren ihr Leben. NJOY. Abgerufen am 24.08.2018.
Phubbing: Sorry, mein Smartphone ist mir wichtiger als du! UNICUM. Abgerufen am 24.08.2018.
Smartphone-süchtige Jugendliche sind unglücklicher. FAZ Online. Abgerufen am 24.08.2018.

 

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