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Warum eine Umarmung am Tag Wunder bewirkt

Bei einer Umarmung, die nicht flüchtig ist, sondern so richtig von Herzen kommt, die fest und innig ist, scheint die Zeit für einen kurzen Augenblick stillzustehen, oder? Genau diese echte Nähe ist es, die wir Menschen auf existenzielle Weise brauchen. Mindestens 20 Sekunden lang und natürlich mit einem guten Gefühl dabei sollte sie sein – am besten einmal täglich. Dann macht sie uns stärker auf verschiedenste Weise, garantiert ohne unerwünschte Nebenwirkungen;)

Warum Nähe so wichtig ist für uns?

Das hat ganz klar belegbare biochemische Gründe. Bei einer langen Umarmung oder auch sanften und langsamen Berührungen wie einer Massage, wird das sogenannte Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. In rauen Mengen flutet dieses beispielsweise auch den Körper der Mutter bei der Geburt. Oxytocin ist ein echtes Superhormon und stärkt uns und unsere Beziehungen. Auch Endorphine – Glückshormone – werden durch angenehmen Körperkontakt freigesetzt. Das baut Stresshormone ab und beruhigt Atmung und Herzschlag. Dadurch entspannen wir und fühlen uns wohl. Berührungen beeinflussen unsere Gefühle.

Wer mit viel Nähe aufwächst geht stärker ins Leben

Verschiedene, durchaus umstrittene Experimente zeigen, dass es entscheidend ist, wie viel Nähe Menschen, insbesondere in ihren ersten zwei Lebensjahren erfahren. Wer mit viel positiver Nähe und Berührungen aufwächst, hat als erwachsener Mensch einen höheren IQ, ist seltener krank, hat weniger psychische Probleme und stabilere familiäre Beziehungen. Und nicht nur das: Studien belegen, dass Berührungstherapien bei Frühgeborenen die Gewichtszunahme nahezu verdoppeln können. Wie genau ist noch nicht restlos erforscht, aber klar ist, dass der Tastsinn zu Beginn unseres Lebens stärker entwickelt ist als jeder andere Sinn. Berührungen sind damit eine erste Form von Kommunikation, eine erste Form von Sprache, wenn man so will.

Regelmäßige Umarmungen halten uns gesund

Das eine ist die erlebte Nähe in der Kindheit. Das andere das Hier und Jetzt. Wer in seinem Alltag regelmäßig und innig umarmt wird, ist erwiesenermaßen seltener krank. Das liegt sicher auch an einem gewissen, abwehrstärkenden Keimaustausch, aber eben auch an der positiven Wirkung einer richtig schönen Umarmung. Oxytocin und Co sind ja wie gesagt ein Schmerz- und Stresskiller und Stress hemmt wiederum die Immunabwehr. Es ist außerdem belegt, dass 20 Sekunden Umarmung Blutdruck und Herzschlag senken. Es wird angenommen, dass deshalb Menschen in stabilen Partnerschaften seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Auch bei bestehenden Krankheiten können sie einen positiven Effekt haben, wenn auch ihre präventive Wirkung stärker ist als ihre heilende.

Körperkontakt verbessert die Gruppendynamik

Umarmungen und sogar schon kleinere Berührungen bringen uns mit anderen Menschen in Einklang. In Freundeskreisen, in denen herzliche Berührungen zum normalen Umgang miteinander gehören, gibt es weniger Aggressionen und Konflikte. Auch die Gruppendynamik einer Sportmannschaft wird enorm durch Berührungen gestärkt. Bei der NBA Saison 2008/9 haben US-Wissenschaftler analysiert, wie sich die Häufigkeit von Umarmungen sowie der im Sport praktizierten Po-Klapser und Schulter-Boxer auf die Spieler auswirken. Das Ergebnis: Je mehr Berührungen, desto mehr Zusammenarbeit und Vertrauen im Team und desto mehr Erfolge. In diesem Lebensbereich reichen schon kurze Berührungen, um Wertschätzung, Dankbarkeit und Ermutigung auszudrücken. Das stärkt jeden Einzelnen und die Mannschaft als solche.

Berührungen machen uns erfolgreicher

Dass die „touchy teams“ signifikant erfolgreicher waren als andere, liegt jedoch vermutlich nicht nur an der besseren Gruppendynamik. Es gibt weitere Untersuchungen die zeigen, dass kleine Berührungen kurz vor wichtigen Entscheidungen die Risikofreude erhöhen. Vermutlich haben sie eine bestätigende Wirkung und stärken die Selbstsicherheit. Interessanterweise bekommen Kellner, die ihre Gäste leicht am Arm oder der Schulter berühren dementsprechend auch mehr Trinkgeld. In jedem Fall sind wir bereit mehr zu geben und zu investieren, wenn wir herzliche Berührungen erfahren. Es ist eben alles ein Geben und ein Nehmen.

Wer mehr umarmt, lebt länger

In unserer westlichen Kultur erfahren wir intensiveren Körperkontakt in erster Linie in unserer Paarbeziehung. So wundert es nicht, dass Menschen ohne Partner an ihrer Seite eine geringere Lebenserwartung haben und häufiger krank werden. Fehlende Nähe und Geborgenheit machen sich hier wohl leider bemerkbar. Die gute Nachricht ist: Auch das Knuddeln von Hunden versorgt uns mit einem gesunden Hormoncocktail – wuff!:)

Also, heute schon jemanden umarmt? Zugegeben, in der Winter- und Infektzeit bleibt eine gewisse Vorsicht geboten (nicht erst seit Corona;)). Und dennoch ist echte Nähe für uns Menschen letztlich das Beste, was uns passieren kann.

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