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Was uns stark macht gegen Sucht – und was uns schwächt

Viele Dinge gehen im Leben leider nicht gerecht zu. Chancen, Lebensumstände, das Elternhaus oder Schicksalsschläge liegen nicht wirklich in unserer Macht. Während manche Menschen sämtliche Schwierigkeiten und Hürden jedoch problemlos überwinden, werden andere völlig aus der Bahn geworfen. Während die einen über sich hinaus wachsen, finden die anderen keinen Ausweg mehr. Was führt dazu, dass wir uns in Betäubung und Abhängigkeiten flüchten, wie Spielsucht, Kaufsucht, Drogensucht oder andere Suchterkrankungen? Warum sind manchen Menschen suchtgefährdeter als andere? In diesem Blog-Beitrag erfahrt ihr, was uns stark macht gegen die Sucht – und was uns schwächt…

Widerstandsfähigkeit als Schlüssel

Die Eigenschaft von Menschen, Schicksalsschläge oder schwere Umstände gut zu verarbeiten, bezeichnet man in der Psychologie als Resilienz. Wie strapazierfähig man ist, hängt eng mit der Sicht auf die Dinge und sich selbst zusammen, die ein Mensch hat. Diese wird wiederum geprägt durch die Persönlichkeit eines Menschen bzw. sein erlerntes Verhalten, Situationen zu bewerten und mit ihnen umzugehen. Abgesehen von unserer inneren Einstellung gibt es aber auch äußere Umstände, die uns stark machen – die sogenannten Schutzfaktoren. Darunter fallen beispielsweise das soziale Netzwerk, der Einfluss enger Bezugspersonen sowie Erziehung und Förderung in der Kindheit. Letztere beeinflusst unsere innere Stärke ganz besonders. Umso besser die Bedingungen sind, die wir in den ersten zehn Lebensjahren erfahren, umso stärker sind wir später gegen negative Einflüsse, Geschehnisse und Suchterkrankungen gewappnet. Das zeigt: Widerstandsfähigkeit ist nicht angeboren, sondern eine Kapazität, die erlernbar ist, je früher umso besser.

Schutz- und Risikofaktoren

Schutzfaktoren sind also Dinge im Leben, die uns Halt und Sicherheit geben, unser Selbstwertgefühl stärken und uns positiv beeinflussen. Leider gibt es da auf der anderen Seite aber natürlich auch äußere Faktoren, die unser Vermögen mit Schwierigkeiten umzugehen bzw. unsere Suchtgefährdung, negativ beeinflussen. Zu diesen sogenannten Risikofaktoren gehören unter anderem Suchterkrankungen der eigenen Eltern, Gewalt, Missbrauch und finanzielle Not. Aber auch Überforderung und zu hoher Leistungsdruck, ein Mangel an stabilen menschlichen Beziehungen sowie fehlende Wärme und Pflege in der Kindheit hinterlassen ihre Spuren. Entscheidend ist letztlich das Verhältnis von Schutz- und Risikofaktoren in der Vergangenheit und Gegenwart. Es bestimmt, wie wir uns und andere bewerten, wie gut wir im Alltag und in Krisensituationen zurechtkommen und letztlich auch wie suchtgefährdet wir sind.

Was Kinder stark macht

Als Eltern haben wir großen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen unserer Kinder. So können wir sie stark machen für das Jetzt und das Später und Suchterkrankungen vorbeugen:

  • Gelassen bleiben, wenn mal etwas schief läuft. In schwierigen Situationen oder Zeiten, ist es wichtig, ein offenes Ohr zu haben, Interesse zu zeigen und Hilfe anzubieten, wenn sie gebraucht wird. Das gibt Halt und macht Mut vor neuen Herausforderungen. Das Kind lernt „ich bin liebenswert, auch wenn ich Fehler mache.“
  • Selbstvertrauen stärken. Kinder brauchen Raum, um Dinge auszuprobieren und eigene Fähigkeiten und Grenzen zu entdecken. Behüten wir sie zu stark, kann sie das verunsichern. Ein „Du kannst das!“ ermutigt hingegen – das gilt besonders für eher ängstliche Kinder.
  • Klare Grenzen ziehen. Kann ein Kind auf der anderen Seite machen, was es will, erlebt es das eigene Handeln ohne Auswirkungen und Relevanz für Andere. Regeln sollten dabei klar und begründbar, also auch nachvollziehbar sein.
  • Bewegung fördern. Sich regelmäßig an der frischen Luft auszutoben, fördert Gesundheit, Motorik und Selbstvertrauen. Im Allgemeinen sollte hier kein Leistungsdruck aufgebaut werden. Sich sportlich im Verein zu betätigen, kann das Selbstbewusstsein jedoch enorm fördern. Es schult außerdem soziale Kompetenzen und trainiert, mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen.
  • Fantasie nicht ausbremsen. Solange Kinder sich nicht in ihren Ideen verlieren bzw. diese negativ auf sie einwirken, sollte man sie ihre Ideen spielerisch und frei entfalten lassen.
  • Konflikte konstruktiv regeln. In jeder Familie eskaliert die Situation von Zeit zu Zeit. Hier heißt es vor allem – Vorbild sein und danach wieder auf sein Kind zugehen. Hat man sich selbst im Ton oder Umgang vergriffen, auch entschuldigen. Um Respekt zu bekommen, auch Respekt vor den Wünschen des Kindes haben, diese anhören und wenn möglich, einen Kompromiss anbieten. So lernt das Kind, dass es auch das Recht hat „Nein“ zu sagen, für sich einstehen und die Dinge beeinflussen kann.

Wie sich Erwachsene selbst stärken können

Je früher die eigene Widerstandsfähigkeit von außen gestärkt wird, umso besser. Aber das Leben verläuft nun mal nicht immer nach Plan und viele von uns erleben viel Negatives bereits in jungen Jahren. Dennoch: Auch im Erwachsenenalter können wir unserer Suchtgefährdung entgegenwirken, indem wir die eigene Widerstandskraft stärken. Auch hier heißt es: Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen aufbauen! Dabei können Vorbilder helfen. Als Bild für einen resilienten Menschen kann man zum Beispiel an einen Boxer denken, der im Ring zu Boden geht und danach seine Taktik ändert. Menschen mit geringer Resilienz neigen hingegen dazu, ihre Strategie zu wiederholen und erneute Niederschläge zu erleben. Häufig widmen sie dem Problem selbst mehr Aufmerksamkeit als der Lösung desselben. Da heißt es umdenken: Probleme als Herausforderung erkennen, Schritt für Schritt das Selbstvertrauen stärken und auch die eigene Grundstimmung verbessern. Folgende Maßnahmen und Faktoren von außen helfen dabei:

  • Das soziale Netzwerk: Vernetzen, Kontakte pflegen und Beziehungen ausbauen
  • Sport treiben: Ist bekanntlich gut für Körper und Seele
  • Neues ausprobieren. Krisen für überwindbar erklären und auch mal ungewohnte Wege einschlagen – wenn nötig mit der Hilfe Anderer
  • Veränderungen als wichtigen Teil des Lebens akzeptieren
  • Ziele setzen, aber auch offen für neue Möglichkeiten sein
  • Die eigene Achtsamkeit schulen. Sich selbst und sein Denken reflektieren und Momente der Achtsamkeit in den eigenen Alltag einbauen, z.B. als letzten positiven Gedanken vor dem Einschlafen oder ersten stärkenden Gedanken vor dem Aufstehen.

 

Wir fassen zusammen: Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und die Erfahrung, Dinge bewegen zu können, sind zentrale innere Eigenschaften, um widerstandsfähig durchs Leben zu gehen. Je besser dies gelingt, umso geringer ist unsere eigene Suchtgefährdung. Externe Faktoren, die uns stützen, sind dabei unerlässlich – darunter vor allem andere Menschen, die uns gut tun. Seien wir diese Menschen für andere – für unsere Kinder, Geschwister und Freunde. Das stärkt am Ende nicht nur sie, sondern auch uns selbst!

 

 

Quellenangabe:

Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können, stark zu werden. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Abgerufen am 7.8.2019.

Die Förderung von Resilienz und Schutzfaktoren bei Kindern suchtkranker Eltern. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 4, 2010. Abgerufen am 7.8.2019.

Resilienz – Was Kinder und Erwachsene stärkt und in ihrer Entwicklung unterstützt. Fachartikel, Moses Online. Abgerufen am 7.8.2019.

Risikofaktoren und Entwicklungsmechanismen für jugendlichen Drogengebrauch und -mißbrauch. Werner Stangels Arbeitsblätter. Abgerufen am 7.8.2019.

 

 

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