Hinter den Kulissen, Ratgeber

Mama mit Top-Karriere – So geht das… Unsere Vorständin Julia Wiens im Gespräch

Unsere erste und einzige Frau im Basler Vorstand hat nicht nur eine steile Karriere hingelegt, sondern ist auch Mutter von Zwillingen. Wie man es schaffen kann, Spitzen-Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen und dabei nicht den Verstand zu verlieren, verrät Sie uns im zweiten Teil des Interviews mit ihr.

Sie haben zwei Kinder und eine steile Karriere hingelegt. Das ist beeindruckend. Wo haben Sie all die Kraft dafür hergenommen?

Ich habe als Mensch glaube ich allgemein viel Energie, das hilft auf jeden Fall. Und ich habe das alles nie als so große Kraftanstrengung empfunden, weil ich immer einen Schritt nach dem anderen gegangen bin. Außerdem hatte ich meistens einfach wirklich Spaß an der Arbeit, ich habe mit vielen tollen Menschen zusammen gearbeitet, und spannende Sachen gemacht. Auch intellektuell war ich immer gefordert und konnte regelmäßig Weiterbildungen machen, was mir sehr wichtig ist. Klar, es gibt immer mal Momente, wo man sich denkt: „Was tue ich mir da eigentlich an?“. Aber da helfen mir die Unterstützung durch meinen Mann und besondere Auszeiten und Kurzurlaube, um runterzukommen.
Sport versuche ich auch zu machen. Das ist ein sehr wichtiger Ausgleich. Am liebsten gehe ich joggen, weil ich das immer und überall machen kann, ohne auf irgendetwas oder irgendjemanden angewiesen zu sein.

Haben Sie auch in Teilzeit gearbeitet oder waren Sie immer voll berufstätig?

Ich habe immer in Vollzeit gearbeitet. Meine Kinder habe ich bereits zum Ende des Studiums bekommen, da war ich mit 22 Jahren recht früh dran. Als sie zweieinhalb Jahre alt waren, habe ich angefangen zu arbeiten. Aus heutiger Sicht ist das ja ziemlich spät, aber damals war das superfrüh und da hatte man schon mit einem gewissen Rabenmutter-Image zu kämpfen. Das höre ich auch von vielen anderen Frauen, die damals in einer ähnlichen Situation waren. Das ist dann schon nicht immer ganz leicht gewesen.

Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas verpasst zu haben?

Ja, permanent. Damals habe ich mich eigentlich immer gefragt: “ Habe ich genug Zeit für die Kinder? Ist das so richtig, wie ich es mache?“, vor allem wenn das Umfeld Einen auch etwas schräg anguckt… Wenn ich aber heute darauf zurückblicke, muss ich sagen, dass ich viel Zeit mit den Kindern verbracht habe und es kommt auch letztlich nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität. Das ist für mich das wichtigste: Wenn man da ist, auch wirklich da zu sein. Immer da zu sein, kann ja unter Umständen auch bedeuten, viel mit anderen Dingen als den Kindern beschäftigt zu sein. Und am Ende gibt es da kein Richtig und kein Falsch – Das muss jeder für sich entscheiden. Ich wäre unglücklich damit gewesen, in erster Linie zu Hause zu sein und daher war es für mich so die richtige Entscheidung.

Zum Glück haben meine Mutter und mein Mann sich auch viel um die Kinder gekümmert, so dass wir das als Familie organisieren konnten. Und ich hatte auch eine gewisse Flexibilität im Job, was damals noch sehr ungewöhnlich war. Als die Kinder älter waren, konnte ich beispielsweise auch nachmittags mal einen Tag von zu Hause arbeiten.

Also, war für Sie die Unterstützung der Familie als Mutter bei Ihrer beruflichen Weiterentwicklung schon sehr wichtig?

Ja, auf jeden Fall. Die Unterstützung der Familie und vor allem auch des Partners zu haben ist vielleicht sogar das Wichtigste. Mein Mann ist beruflich auch seinen Weg gegangen, aber als der Punkt kam, dass ich plötzlich mehr verdient habe als er, hat es schon geknirscht. Er hat etwas gebraucht,  bis er das akzeptieren konnte, aber seitdem hat er mich voll unterstützt. Auch als es damals für mich darum ging, die Bereichsleiterstelle in Bad Homburg anzunehmen und vier Tage die Woche nicht zu Hause zu sein, haben wir das gemeinsam entschieden – mit den Kindern. Die waren da schon 17 und hatten ein Veto-Recht. Man ist einfach auf die Unterstützung und das Einverständnis der Familie angewiesen und muss sie auch miteinbeziehen, sonst läuft es nicht.

Was können Sie Frauen mit kleinen Kindern mitgeben, die beruflich gerne noch viel erreichen würden?

Ganz klar: Prioritäten setzen. Man kann nicht die perfekte Hausfrau und die perfekte Mutter sein und dann noch Karriere machen. Wir Frauen wollen immer gerne in allem super sein, aber da sollte man die eigenen Erwartungen und auch die des Umfelds herunterschrauben. Auch da ist der Partner das A und O. Wenn Sie als Frau beruflich Karriere machen wollen und Ihr Partner sitzt zu Hause und erwartet eigentlich, dass Sie auch noch den Haushalt im Griff haben und Sie jeden Abend die tollsten Gerichte zubereiten, dann wird das nicht laufen. Wenn er aber Verständnis hat und bereit ist, die Hausarbeit aufzuteilen, dann kann das funktionieren.

Man muss sich auf das konzentrieren, was einem am wichtigsten ist und da gibt es Phasen, da sind die Kinder wichtiger und manchmal eben die Arbeit. Diese beiden Dinge in Einklang zu bringen, ist schon Herausforderung genug… dabei finde ich es auch wichtig, selbst Ideen einzubringen und Kompromisse einzugehen – als Führungskraft kann man nicht erwarten, dass das Unternehmen alles für einen regelt. Als die Jungs beispielsweise nicht mehr im Hort essen wollten, habe ich einfach 2 Stunden Mittagspause gemacht, bin nach Hause gefahren, habe mit Ihnen zusammen gegessen und bin nachmittags wieder ins Büro gefahren.

Wie ist das Verhältnis zu Ihren Kindern heute? Machen Sie Ihnen manchmal Vorwürfe?

Meine Kinder sind jetzt 26 Jahre alt. Beide wohnen schon länger nicht mehr daheim und sind in den letzten Zügen ihres Studiums. Wir stehen in gutem Kontakt und fahren jedes Jahr zusammen in den Skiurlaub, da lassen sie sich sehr gerne einladen (lacht). Und wir machen das auch gerne, weil die gemeinsame Zeit uns einfach so viel wert ist. Vorwürfe haben sie uns tatsächlich nicht gemacht bisher, wer weiß, vielleicht kommt das noch… Einer meiner Söhne hat vor kurzem eher festgestellt, dass ihm eigentlich jetzt erst klar geworden ist, wie ungewöhnlich und flexibel bei uns Zuhause die Rollenverteilung war, aber ich glaube das findet er auch gut so.

Also, was ist wichtig, wenn man Kinder und Karriere haben will? Wir fassen zusammen:

• Einen Job machen, der einen begeistert
• Auszeiten schaffen
• Sport
• Prioritäten setzen
• Bei den unwichtigeren Sachen, die eigenen Ansprüche (und die des Umfelds) herunterschrauben
• Quality Time: Wenn man mit den Kindern zusammen ist, wirklich präsent sein
• Unterstützung holen: Nicht nur innerhalb der Familie, sondern bspw. auch beim Haushalt.

Wir danken Frau Wiens ganz herzlich für Ihre Bereitschaft zu diesem Gespräch und Ihre offenen und wertvollen Worte!

Den ersten Teil des Interviews verpasst? Hier kommen Sie zu dem Beitrag: Einsame Spitze – Darum ist es für Frauen schwieriger Karriere zu machen.

 

 

Bildnachweis: Julia Wiens, Basler Versicherungen Deutschland

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