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Ratgeber, Sicherheit

Hilfe, mein Kind will ein Smartphone!

Wir haben einen Schutzauftrag für unsere Kinder. Das wissen wir nicht nur, das spüren wir, vom allerersten Moment an. Aus dieser inneren Prägung heraus, schützen wir diese kleinen, waghalsigen Erdenbürger so gut wir können. Versucht, stets alle Gefahren abzuwenden, warnen wir, trösten wir und pusten das ein oder andere Wehwehchen weg.

Je größer Kinder werden, umso mehr gehen sie dann ihren eigenen Weg und werden Teil der Welt „da draußen“. Mehr als andere Generationen zuvor, wachsen die Kinder von heute in einer digitalisierten Welt heran. Smartphones, Tablets und das World Wide Web sind für sie so selbstverständlich wie Autos, Haartrockner oder Küchenmaschinen. Früh entsteht der Wunsch, selbst digitale Endgeräte zu nutzen und immer mehr Kinder nutzen sie auch immer früher… Wann sind Kinder jedoch wirklich reif genug, um online unterwegs zu sein? Welche Gefahren gibt es und wie lassen sie sich begrenzen? Darum geht es in diesem Blog-Beitrag.

 

Kickst du noch oder klickst du schon?

Fest steht: Die Nutzung mobiler Endgeräte – darunter das Smartphone als unantastbarer Favorit – nimmt rasant zu. Immer mehr Kinder nutzen sie immer früher und auch immer länger. Laut Statista nimmt vor allem ab dem zehnten Lebensjahr der Besitz von Smartphones rasant zu. Ab dem 14. Lebensjahr liegt der Anteil an Smartphone-Besitzern schon deutlich über 90%. Einer Bitkom-Studie zufolge steigt auch die Dauer der Nutzung von online-fähigen Endgeräten extrem schnell an. Schon unter 6- bis 7-jährige nutzen 48% das Internet zumindest gelegentlich. Bei den 8- bis 9-Jährigen sind über 80% mehr als 43 Minuten täglich online, ein Wert, der dreimal so hoch ist wie noch vor drei Jahren…

Was machen die da eigentlich die ganze Zeit?

Welchen Mehrwert Kinder in den verschiedenen Medien sehen, hat die groß angelegte Kinder-Medien-Studie 2018 untersucht. Auch wenn das gute alte Buch im Bereich Lesen das (Print-)Medium der Wahl bleibt, löst sich auch in Bezug auf Kinder die traditionelle Unterscheidung von Medien in Fernsehen, Zeitschriften und Radio immer mehr auf. Je älter die Kinder werden, umso mehr spielt sich online ab: Musik, Spiele, Filme, Serien – kein Wunsch bleibt schließlich offen. Und auch die mediale zwischenmenschliche Kommunikation verlagert sich mit dem Heranwachsen immer stärker auf soziale Netzwerke, Text- und Sprachnachrichten. Gleichermaßen nutzen Kinder das Internet natürlich auch vermehrt als Suchmaschine für erste eigene Recherchen.

 

Was sind die größten Online-Gefahren?

Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von möglichen Gefahren, die Kindern im Netz begegnen können. Absolute Sicherheit und Transparenz ist bekanntlich unerreichbar, hier ein grober Überblick:
• Mobbing in sozialen Medien
• Verbreitung von unangemessenem Bildmaterial
• Kontakt mit Kriminalität, beispielsweise über Videos
• Kontakt mit problematischem Konsumverhalten
• Missbrauch oder Anbahnung von Missbrauch
• Abfrage von Nutzerdaten

Grundsätzlich ist es wichtig, Kinder zunächst beim „Surfen“ zu begleiten, damit sie eine gewisse Kompetenz im Umgang mit Apps und dem Internet aufbauen können. Und zwar vor dem ersten eigenen Gerät. Sie sollten ein gewisses Verständnis dafür entwickeln, wie Anwendungen funktionieren, was mit ihren Daten passiert, was Werbeinhalte und was kostenpflichtige Dienste sind, welche Seiten für sie zulässig sind und wo Ihnen Gefahren begegnen können – analog zum echten Leben eben;)

 

Übermäßiger Konsum ist schädlich

Es gibt diverse Studien, die außerdem negative gesundheitliche Konsequenzen der übermäßigen Smartphone-Nutzung von Kindern und Jugendlichen belegen. Kurzsichtigkeit, Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität sowie Suchterscheinungen zählen zu den möglichen Folgen. So ist beispielsweise bei kleinen Kinder zwischen zwei und fünf Jahren, die bereits mehr als eine halbe Stunde am Tag vor dem Display verbringen, eine motorische Hyperaktivität 3.5 mal häufiger. Selbst auf die allerkleinsten kann sich beispielsweise die Smartphone-Nutzung der Mutter beim Stillen negativ auswirken – sei es auf die Mutter-Kind-Bindung, das Ess- oder das Schlafverhalten.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Smartphone?

Um eine gewisse Kompetenz und auch Disziplin im Umgang mit der Nutzung des Internet und den sozialen Medien erlangen zu können, muss man imstande sein, durchaus komplexere Sachverhalte zu verstehen. Das betrifft Themen wie den Umgang mit verschiedenen Apps, Privatsphäre-Einstellungen, Bildrechte, Datenschutz anderer, kostenpflichtige Funktionen, potenzielle Gefahrenquellen und vieles mehr. Experten raten daher, Kinder nicht vor dem 12. Lebensjahr mit einem Smartphone auszustatten. Zur reinen Erreichbarkeit dienen herkömmliche Handys (ja, es gibt sie noch;)).

 

Sicher unterwegs im World Wide Web?!

  • Um einen kontrollierten Gebrauch zu etablieren, sollte die Nutzungsdauer begrenzt werden. „Schau hin!“, eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend empfiehlt eine tägliche Nutzungszeit von 30 Minuten oder weniger für die 7- und 8-Jährigen, bei Zehnjährigen dürfen es auch 45 Minuten sein. Sobald es ein eigenes Gerät gibt, kann die Nutzungsdauer außerdem per Kindersicherung begrenzt werden (abhängig von Gerät, Hersteller und Betriebssystem).
  • Mit einer solchen Kindersicherung lassen sich natürlich auch die Seiten eingrenzen, auf denen sich das Kind bewegen darf. In diesem Sinne existieren auch spezielle Suchmaschinen nur für Kinder (z.B. bei Meine Startseite).
  • Eine Prüfung der Apps, die das Kind verwendet, ist ebenfalls sinnvoll. Hierzu lassen sich beispielsweise nützliche Bewertungen auf der Seite app-geprueft.net und auch weitere viele Tipps und Hilfestellungen bei Klicksafe.de finden (EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz).
  • Die richtigen Spiele und Apps ermöglichen nicht nur eine relativ sichere Nutzung, sondern können Kindern auch wertvolle Informationen bieten, beim Lernen helfen, strategisches Denken trainieren oder die Auge-Hand-Koordination verbessern. Hier lohnt sich eine eigene Recherche, um Apps gemäß der Interessen und Entwicklungsstufe des Kindes zu finden.
  • Das Thema Kosten sollte ebenfalls besprochen werden. Beim eigenen Smartphone für Kinder sind Prepaidkarten empfehlenswert. Spezielle Kinder- und Jugendverträge können aber auch einen „Kostendeckel“ enthalten, um die monatlichen Ausgaben zu begrenzen.

 

Puh, es gibt also eine ganze Menge zu beachten und vor allen Dingen auch nichts zu überstürzen… Das Kind langsam und bewusst in die Online-Welt einzuführen ist jedoch ganz im Sinne der Gesundheit und Sicherheit Ihres Kindes. Wir hoffen, ein wenig dazu beigetragen zu haben, dass Sie Ihrem Schutzauftrag auch online so gut es eben geht, nachkommen können – dabei wünschen wir gutes Gelingen!:)

 

Sie stecken gerade mitten im Einschulungs-Tohuwabohu? Unser Blog-Artikel Endlich Einschulung – Viel Neues für die ganze Familie verrät, wie sie den Schulstart für Ihre Kinder und sich selbst leichter machen können.

 

Quellen:

Studie zur Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen. Cebit 2018. Abgerufen am 08.08.2018

Schau Hin! Ratgeber Mobile Geräte. Abgerufen am 07.08.2018

Smartphone-Besitz bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Jahr 2017 nach Altersgruppe. Statista 2018. Abgerufen am 7.8.2018.

Studie zur Mediennutzung. Die Hälfte aller Neunjährigen besitzt ein Handy. Spiegel Online 2018. Abgerufen am 8.8.2018

Kinder Medien Studie 2018. Abgerufen am 7.8.2018.

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