<

Allgemein, Ratgeber

Auf gute Nachbarschaft

Auf gute Nachbarschaft

Netter Typ oder unmöglicher Kerl? So wird der Nachbar zum Freund

Duftende Äpfel, frische Hefe und eine gute Portion Rübensaft sind auf dem besten Weg zum Kuchen, dann kommt der Schreck: Es ist kein Mehl mehr im Haus! Glücklich ist, wer jetzt einen hilfsbereiten Nachbarn hat, der mit einer Backportion aushilft. Oder ein anderer Fall, ähnliches Ergebnis: Die Blumen sind über das ganze Jahr hinweg liebevoll aufgezogen worden, dann kommt der Urlaub am Sonnenstrand. Wer rettet die grüne Idylle nun vor dem Vertrocknen? Ein weiteres Mal der freundliche Nachbar. Dieses Verhalten ist jedoch nicht selbstverständlich. Wie entsteht eine gute Beziehung zu den Bewohnern nebenan? Insbesondere Umgezogene und Wohnungssuchende fragen sich: lässt sich eine gute Nachbarschaft überhaupt positiv beeinflussen? Vorweg: Ja, das ist möglich. Allerdings gibt es „Spielregeln“, die befolgt werden sollten.

Wann ist ein Nachbar „gut“?

Bevor es um den gelungenen Einstand im Mehrparteienhaus oder dem Straßenzug geht, stellt sich zunächst die Frage, welche Eigenschaften ein „guter Nachbar“ überhaupt haben sollte. Im Allgemeinen gilt dieser als freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Gleichzeitig, und das wird vor allem unterbewusst wahrgenommen, soll er bestimmte Verhaltensweisen nicht haben. So fühlt sich niemand gerne in seinem täglichen Leben beobachtet. Ein Nachbar, der auf der Straße grüßt, ist deshalb sympathisch. Neugierige Blicke durch das Fenster werden hingegen als unangenehm empfunden. Ähnliches gilt für die Kommunikation. Während ein Lob für die Blumen oder ein Dank für eine Gefälligkeit jedem schmeicheln, sind allzu interessierte Nachfragen nach dem Berufsleben oder gar über private Beziehungen unangebracht.

Selbst ein guter Nachbar sein

Wer ein gutes Verhältnis zu seiner sozialen Umgebung wünscht, muss verstehen, dass es sich dabei um eine ganz klar wechselseitige Beziehung handelt. Oder vereinfacht gesagt: Ein guter Nachbar hat gute Nachbarn – die eigenen Taten sind wichtig. Während die Schwester oder der Bruder über so manche Eigenart hinwegsieht, ist ein Nachbar dazu nicht unbedingt bereit. Dennoch können sich die Parteien in einem Mehrfamilienhaus nicht aus dem Weg gehen. Wer sich nun unsozial verhält, kann schnell Streit provozieren. Doch zum Glück gibt es einige Tipps, die fast immer zu einem guten nachbarschaftlichen Zusammenleben führen.

Ganz wichtig ist dabei die gegenseitige Rücksichtnahme. Jeder wird Verständnis haben, wenn der runde Geburtstag etwas ausgelassener gefeiert wird als sonst. Niemand mag es hingegen, wenn die abendliche Party ihn unerwartet trifft. Eine kurze Information ist deshalb Pflicht. Am besten ist es ohnehin, Bekannte aus der Nachbarschaft direkt einzuladen. Rücksichtnahme bedeutet außerdem, Hilfe anzubieten, wenn sie benötigt wird. Das betrifft zum Beispiel die erwähnte Tasse Mehl, ebenso aber auch kleine Gefälligkeiten. Oft ist schon das Angebot, einen schweren Wasserkasten zu tragen, die Blumen zu gießen oder bei einer Grippe schnell ein paar Einkäufe mitzubringen, Grund zur Freude.

Durchaus als positiv wird es außerdem empfunden, wenn der Nachbar einen Blick auf ungewöhnliche Vorgänge in der Straße hat. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es beruhigend zu wissen, wenn jeder gelegentlich nach dem Rechten sieht. Doch Vorsicht: Einen Spion im Haus nebenan wünscht sich niemand!

In Zeiten des Onlinehandels gibt es noch eine weitere gute Möglichkeit, sich unter den Nachbarn beliebt zu machen: durch das Annehmen von Paketen. Schließlich ist der Weg zur nächsten Tür oder zum Nachbarhaus für jeden allemal bequemer als der zur nächsten Postfiliale.

Gute Nacharn

Zuletzt noch eines der wichtigsten Themen überhaupt. Jeder, der ein gutes Verhältnis zu den Bewohnern in der Nachbarschaft wünscht, sollte kommunikativ sein. Wer bei einer zufälligen Begegnung nicht grüßt, gilt schnell als unfreundlich und abweisend. Ein kleiner Plausch über alltägliche Dinge öffnet hingegen Türen – durchaus im Wortsinn. Wer zum gegenseitigen Besuch einlädt, erfährt schnell, wie sich Nachbar und Nachbar ergänzen können. Zum Beispiel durch sinnvolle Hilfen wie „tausche Bohrmaschine für einen Tag gegen einen Kuchen“.

Wie lässt sich Streit verhindern?

Ein gutes nachbarschaftliches Zusammenleben heißt nicht nur, hilfsbereit und aufgeschlossen zu sein. Es heißt auch, Streit zu vermeiden. Dass es zwischen Menschen, die nah beieinander wohnen, zu Reibungen kommt, liegt vor allem an der Verletzlichkeit der eigenen Privatsphäre.

So hat jeder Mensch einen Bereich, in den er sich zurückzieht und in dem er ungestört sein will. In diesen dringt so mancher Nachbar, absichtlich oder unabsichtlich, ein. Das kann entweder direkt über Blicke durchs Fenster und unerwünschte Besuche geschehen oder indirekt passieren. Letzteres zum Beispiel durch Gerüche, Licht und Lärm, die vom Nachbarhaus oder der Nachbarwohnung herüberdringen. Besonders problematisch ist, dass niemand seiner Umgebung entkommen kann. Im Zweifelsfall ist es hilfreich, die Privatsphäre durch Gardinen, einen Zaun oder eine Hecke zu schützen. Um in der Folge nicht als Einzelgänger zu wirken, sind Kommunikationsinseln empfehlenswert. Etwa in Form eines offenen Vorgartens, aus dem heraus gerne ein Plausch gehalten wird.

Um Streitursachen grundsätzlich zu vermeiden, ist gegenseitige Rücksicht wichtig. Dringt jemand dennoch unbeabsichtigt in die eigene Privatsphäre ein, ist ein Gespräch angebracht. Dieses sollte selbstverständlich höflich geführt werden. Wer sich tatsächlich über ein Verhalten besonders aufregt, schläft besser eine Nacht über den Vorfall und spricht das Thema am nächsten Tag sachlich an. Wer alle Tipps beherzigt, darf sich auf ein angenehmes Zusammenleben freuen.

Bildnachweis: Bild 1 Fotolia 64903188 jackfrog, Bild 2 Fotolia 164080961 boophuket

Schlagwörter: