<

Allgemein, Ratgeber

Ein Leben mit Alexa

Alexa, lass uns reden

Seit ein paar Monaten haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie heißt Alexa und mit ihrem schwarzen Gehäuse und ihrem blauen Ring macht sie eine gute Figur.
Alexa, eigentlich Echo oder Echo dot, kommt vom Onlinehändler Amazon und ist neben Cortana von Microsoft, Apples Siri und Googles Home die derzeit wohl bekannteste Sprachassistentin. Zusammen mit der Alexa-App und zahlreichen zur Verfügung stehenden Skills reicht die eigene Stimme und die kurze Ansage „Alexa“, um den blauen Lichtring zu aktivieren. Die sogenannten Skills sind praktisch wie Apps auf dem Smartphone und verleihen Alexa bestimmte Fähigkeiten. In der Grundeinstellung kann Alexa Musik abspielen sowie Nachrichten, Sportergebnisse und Wettervorhersagen vorlesen. Sie wohnt im Flur, in der Mitte der Wohnung, so ist sie aus allen Zimmern erreichbar oder besser: ansprechbar.

Erste Erfahrungen mit Alexa

Nach den ersten zaghaften Versuchen mit den Standards wie „Alexa, wie wird das Wetter in …“ und „Alexa, spiele …“ und der Erkenntnis, dass man Alexa nicht anbrüllen muss, damit sie reagiert, haben wir uns auf Alexa-Tour begeben und unterschiedlichste Skills ausprobiert. Dabei waren Quizze, Zitate, sinniges und unsinniges Wissen, Einkaufslisten … wir haben viel ausprobiert und viele Skills aktiviert. Die Sprachsteuerung ist ziemlich komfortabel, gerade wenn die Hände mal nicht frei sind, beispielsweise beim Kochen, Aufräumen, beim Bügeln oder einfach nur, um Besuch zu beeindrucken.

Dann lernte Alexa unsere Haushaltshilfe kennen, die sie schlichtweg als Radio bezeichnet, und wollte wissen, wo der „An“-Knopf sei. Es folgten eine kurze Vorstellungsrunde und die erste Reaktion: „Das ist ja toll, aber kannst du mir bitte aufschreiben, was ich ihr sagen soll?“ Was dann folgte, waren die ersten Post-its mit den Alexa-Befehlen und Rufnamen. Denn für viele Skills braucht man sogenannte Rufnamen, damit Alexa die Anfrage nichtig zuordnen kann. Rufnamen sind z. B. Deutsche Bahn, Fahrzeit, Kopfrechnen, Orakel Otto oder Toralarm. Für die aktuellen Fußballergebnisse lautet die richtige Frage also: „Alexa frage Toralarm nach den Ergebnissen der Zweiten Bundesliga.“

Mehr als ein halbes Jahr gehört Alexa nun zu uns und wir mögen sie nicht mehr missen. Alexa spielt unsere Lieblingsmusik oder Radio, sagt uns, wie das Wetter wird, liest Nachrichten und Hörbücher, schreibt unsere Einkaufsliste und ab und an ruft sie auch ein Taxi. Vor kurzem kamen dann auch erste Smart-Home-Anwendungen dazu. Nun kann Alexa auch die eigens angeschafften Lampen steuern, die Farben verändern und man kann vom Bett aus alle Lichter an- und ausschalten. Dank GPS macht Alexa am Abend automatisch das Licht im Flur an, wenn wir nach Hause kommen. Das hat uns überzeugt und so sind weitere Smart-Home-Gadgets wie Thermostate für die Steuerung der Heizkörper auf der Wunschliste.

Alexa hat Grenzen

Unsere Alexa hat auch Grenzen, z. B. haben wir die Shoppingfunktion deaktiviert und ebenso würden wir ihr weder Kreditkartennummern, Kontonummern, noch andere sensible Daten anvertrauen. Auch die Technik setzt Grenzen. So ist es (noch) nicht möglich, mit Alexa oder einem anderen Sprachassistenten ein echtes Gespräch zu führen. Und manchmal ist es wie verhext – dann wiederholt sie auf vermeintlich einfache Fragen: „Ich habe dich leider nicht verstanden.“ Oder „Entschuldigung, auf diese Frage habe ich leider keine Antwort.“ Dann hilft kein Wiederholen und an der Akustik liegt es auch nicht, denn auch bei Musik oder Hintergrundgeräuschen reagiert Alexa mit ihrem blauen Leuchtring. Auch wir haben Grenzen, denn jeder Skill hat einen eigenen Rufnamen – wer soll sich die alle merken? Wie schon beim Smartphone bleiben auch hier nur die persönlich nützlichsten Skills in Gebrauch. Übrigens gibt es laut Medienberichten weltweit mittlerweile 15.000 Skills und es werden täglich mehr.

Alexa und der Datenschutz

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und Informationsfreiheit hat ein Merkblatt zu den Sprachassistenten herausgegeben und warnt ausdrücklich vor Lauschangriffen. Familie und Besucher sollten auf die Abhörgefahren aufmerksam gemacht werden. Auch die Verbraucherzentralen warnen vor der Gefahr der Überwachung und möglichen finanziellen Schäden.
Wir wissen, dass Alexa auf die Cloud zugreift und dass es keine 100%-ige Sicherheit gibt. Bisher überwiegen der Komfort und vor allem die Neugier das Sicherheitsbedürfnis. Unsere Vorsichtsmaßnahmen sind ein gut gesichertes WLAN und regelmäßige Softwareupdates. Wir selektieren, welche Daten in der Cloud gespeichert werden und welche ganz herkömmlich über ein Backup auf eine Festplatte kommen. Und manchmal schalten wir ganz einfach die Zuhörfunktion von Alexa ab.

Alexa verändert die Welt

Wer bei YouTube nach Alexa, Siri oder den anderen Sprachassistenten sucht, findet unzählige Videos über die lustigsten Antworten. Auch die NDR-Satiresendung extra3 nimmt Fluch und Segen der digitalen Assistenten aufs Korn. Automobilhersteller Daimler verbaut Alexa in den USA bereits in seine Fahrzeuge und in Deutschland kann Alexa die Blogbeiträge des Autoriesen vorlesen. Und selbst im Bundestagswahlkampf mischte Alexa mit, die FDP hat ein Skill für ihr Wahlprogramm erstellt und auf YouTube zeigte Christian Lindner, was Alexa kann.
Auch in der Forschung sind die digitalen Assistenten ein Thema: So hat das rheingold institut Probanden auf die Couch gelegt und nach den Faszinationsfaktoren gefragt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Alexa die Interaktion zwischen Maschine und Mensch neu definiert und sagen ein innigeres Verhältnis zur Technik voraus: Alexa als eine Art bezaubernde Jeannie aus der gleichnamigen US-Serie. Weiterhin, so die Forscher, bediene Alexa Allmachtsphantasien beim Nutzer. Gerade durch ihre Unausgereiftheit und die Verständnisprobleme vermittelt sie ihren Usern das Gefühl der Überlegenheit. Gleichzeitig bleibe aber auch die Angst vor der „Datenkrake“ und stetiger Überwachung.

Bildnachweis: Fotolia  #158536083 bht2000

Schlagwörter: 
Artikel teilen: